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Der Syngenius

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Der Syngenius, Ausgabe 7

Philosophie im Alltag

„Was grübelst du?“, fragt mich meine Frau. „Ich hab’ morgen einen schwierigen Kundentermin.“ „Warum schwierig?“, bohrt sie nach. „Mein Kunde will da ein Service Level, das viel zu hoch und viel zu teuer ist. Und ich muss ihn davon überzeugen, dass es objektiv betrachtet besser ist, dass …“ – „Es gibt keine Objektivität“, fällt meine Frau mir ins Wort.

O je, wie konnte ich nur den Säulenheiligen meiner Frau Philosophin vergessen: Edmund Husserl! Jetzt sagen Sie bloß, Sie kennen Husserl nicht, den geistigen Vater von Martin Heidegger?! Aber ich, denn ich bin seit über 15 Jahren mit einer studierten Philosophin verheiratet, die ihre Magisterarbeit über Husserl geschrieben hat.

Sein Kernsatz lautet, so habe ich das zumindest verstanden: Es gibt kein „an sich“, sondern immer nur ein „an sich für mich“, kurz: Alles wird durch die subjektive Brille betrachtet, jeder hat seine eigene „Lebenswelt“. Und immer, wenn ich armer Naturwissenschaftler es wage, so wie eben, das Wort „objektiv“ auch nur in den Mund zu nehmen, packt meine Frau die Husserl-Keule aus.

Aber ich kenne sie lange genug, um jetzt keinen Streit vom Zaun zu brechen. Deshalb sage ich: „Ja, freilich, nichts ist objektiv. Aber was hilft mir das für mein Gespräch morgen?“ „Ganz einfach“, antwortet sie lächelnd: „Du sagst ihm nicht, was objektiv richtig ist, sondern fragst ihn, warum er subjektiv meint, solch ein hohes Service Level zu brauchen. Es geht schlicht und einfach darum, seine Lebenswelt besser kennenzulernen.“

Ich glaube, damit hat sie – subjektiv und objektiv betrachtet – total recht, und ich nehme mir wieder mal vor, „Die philosophische Hintertreppe“ von Wilhelm Weischedel zu lesen, ein Einsteigerbuch für Philosophie im Alltag. Sie wollen das Buch haben? Geben Sie mir Bescheid! Wie ich meine Frau kenne, schickt sie es Ihnen sofort zu. Denn mir hat sie es auch schon zweimal geschenkt.

Ganz philosophisch grüßt heute

Der Syngenius



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