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Der Syngenius, Ausgabe 3
Fragen, Fragen, Fragen
Neulich beim Frühstück. Fragt mich meine Frau: "Kannst Du Dir an meinem Geburtstag frei nehmen?" Ich: "Was hast Du denn da vor?" Sie: "Warum bist Du eigentlich kein Jesuit geworden?" Ich: "Wie kommst Du denn jetzt darauf?" Sie: Weil ich einmal erleben möchte, dass Du eine Frage von mir einfach beantwortest! Aber nein - auf jede Frage kommt von Dir eine Gegenfrage! Ist Dir das noch nie aufgefallen?" Ich: "Aber was hat das mit den Jesuiten zu tun?"Den ganzen Tag überlegte ich dann, ob das tatsächlich stimmt, was mir meine Frau da vorwirft. Dabei fiel mir dann ein Gespräch ein, das ich letzte Woche mit einem Kunden geführt habe.
Der hatte sich nämlich - hört, hört! - explizit dafür bedankt, dass ich noch einmal nachgefragt habe. Thema war der Arbeitsablauf in der Zusammenarbeit zwischen Zentrale und Auslandsniederlassung. Der spielt nämlich fürs Design des neuen Business Process Managements eine wichtige Rolle.
"Woher kennen wir den Ablauf eigentlich?" habe ich laut gedacht. "Von der Fachabteilung", antwortete mein Kunde. "Die ganze Fachabteilung?" bohrte ich nach. "Nein, von unserem Ansprechpartner dort." "Und der kennt wirklich alle Auslandsniederlassungen und ihre Abläufe? Ist die Zusammenarbeit wirklich in jedem Land gleich?", ließ ich nicht locker.
Da schaute mein Kunde zwar sichtlich genervt, aber er fragte noch mal nach. Und siehe da: Es gibt Unterschiede in den einzelnen Länderbetreuungen!
Fazit: Ohne mein penetrantes Nachfragen hätten wir eine unbrauchbare Lösung erstellt.
Somit werde ich weiterhin kritische Fragen und Gegen-Fragen stellen, jawohl! Na gut, vielleicht nicht beim Frühstück.
Es grüßt Sie freundlich
Der Syngenius
PS: Ach ja, ich weiß jetzt: Die Ordensgemeinschaft der Jesuiten ist für ihre Denkschärfe berühmt und berüchtigt. Es wird ihnen nachgesagt, dass sie grundsätzlich jede Frage mit einer Gegenfrage beantworten.

