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Der Syngenius

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Der Syngenius, Ausgabe 23

Weihnachten mal Gans anders

„Was machen wir dieses Jahr an Weihnachten?“, frage ich beim Frühstück. „Dasselbe wie seit gefühlten 150 Jahren“, antwortet meine Frau. „Wir fahren am ersten Feiertag zu deiner Mutter, essen dort die Gans und fühlen uns damit bis Silvester wie der Wolf bei Rotkäppchen, dem man gerade Steine in den Bauch eingenäht hat.“ Meine Frau hat ja recht, die Gans meiner Mutter liegt uns jedes Jahr betonschwer im Magen, und wenn ich allein nur daran denke, bekomme ich ein Völlegefühl. „Weißt du was“, sage ich, „ich werde meiner Mutter vorschlagen, dieses Jahr etwas anderes zu kochen, Hühnchen, Pute oder Fisch – halt was schönes Leichtes.“ Meine Frau sieht sich mich ungläubig an. Ich blicke fest entschlossen zurück und greife – ganz Mann der Tat – sofort zum Hörer …

… und lasse meine Mutter erst mal ihre neuesten Neuigkeiten erzählen: Nachbarin krank, neuen Wintermantel gekauft, Brille reparieren lassen, Arztbesuch gestern … dann beginnt sie ein bisschen herumzudrucksen und meint: „Also, ähm … ich muss dir jetzt was sagen … es fällt mir nicht leicht, aber mein Arzt meint …“ – „Mama, was ist denn um Himmelswillen?“, unterbreche ich sie. „Bist du etwa ernsthaft krank?“ – „Nein, das nicht, aber es … es wird nie mehr so wie früher werden.“ Ich befürchte das Schlimmste – Krebs, Rollstuhl, Bettlägerigkeit –, als ich meine Mutter sagen höre: „Mein Cholesterinspiegel ist erschreckend hoch. Deshalb soll ich fettes Essen tunlichst meiden. Das heißt: Unsere Weihnachtsgans muss dieses Jahr ausfallen. Ich koch uns dafür aber was schönes Leichtes – Hühnchen, Pute oder Fisch.“

„Und was sagt deine Mutter?“, fragt meine Frau neugierig. – „Ich hab sie natürlich überzeugt. Sie ist damit einverstanden, dass wir dieses Jahr Weihnachten mal ‚Gans anders’ feiern“, verkünde ich feierlich. – „Das glaub ich nicht!“, flüstert meine Frau andächtig. Ich auch nicht.

In diesem Sinne: Frohe Weihnachten und „was schönes Leichtes“ als Festtagsmenü!

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