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Der Syngenius

Der Syngenius

Der Syngenius, Ausgabe 22

Abwracken ja, aber nur mit langfristigen Zielen

„Das Wort des Jahres 2009 wird bestimmt Abwrackprämie“, sage ich zu meiner Frau. „Ja, das kann gut sein“, meint meine bessere Hälfte. „Schließlich gibt es die doch inzwischen für alles und jedes. Erhalten eure Kunden nicht auch eine, wenn sie ihre alten Server gegen neue eintauschen?“ – „Hör mal, wir sind ja schließlich kein Hardware-Anbieter“, protestiere ich. „Als Beratungshaus arbeiten wir natürlich nicht mit solchen … solchen … ähm … Methoden.“

„Du meinst also, die Abwrackprämie ist eine unlautere Methode?“, bohrt meine Frau nach. Das hab ich zwar nicht gesagt, aber gedacht – und das ist nach über 15 Jahren Ehe ungefähr dasselbe. Deshalb sehe ich mich nun in Erklärungsnot: „Na ja, also ich meine, die Abwrackprämie ist schon so was wie ein Köder, der zu kurzfristigem Handeln verleitet, einfach, weil man auf das Geld schielt, das man dann kriegt beziehungsweise einspart. Bei meiner Beratung geht es jedoch um Konzepte, die langfristig tragen. Sicher, auch sogenannte Quick Wins sind wichtig, aber man sollte grundsätzlich immer auch den langfristigen Erfolg im Blick haben. Sonst sind die Erfolgsstrohfeuer von heute schnell die Probleme von morgen.“

„Erfolgsstrohfeuer“, wiederholt meine Frau, „das hast du schön gesagt … aber vielleicht gibt es ja auch Fälle, wo sich mit der Abwrackprämie langfristige Erfolge erzielen lassen?“ Jetzt weiß ich, was meine Frau gerade denkt und antworte schmunzelnd: „Ja, du hast vollkommen recht. Wir wracken unseren alten Kühlschrank ab. Das ist gut für die Wirtschaft, gut für unsere Stromrechnung und gut fürs Klima.“ Meine Frau strahlt. Ich habe also voll ins Schwarze getroffen.

Fröhlich grüßt Sie

Der Syngenius

PS: Schade, dass wir nicht in Brasilien leben. Da müssen Energieversorger nämlich mithelfen, die Haushalte ihrer Kunden zu modernisieren. Seitdem tauschen sie alte Kühlschränke gegen neue.


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