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Der Syngenius, Ausgabe 18
Online Reputation – weiße Weste im Web
Fragt mich neulich mein Neffe, der gerade Abitur gemacht hat:
„Sag mal, Onkel, würdet ihr eigentlich einen Bewerber
einstellen, der zwar hoch qualifiziert ist, von dem jedoch
einige nicht ganz hoffähige Partyfotos im Web rumhängen?“ – „Hm,
also ein Minus wäre das schon, weil das ja zeigt, dass es bei
dem- oder derjenigen mit dem Bewusstsein für Vertraulichkeit und
Seriosität hapert und dass der gute Mann oder die gute Frau ihre
Kommunikation nicht recht im Griff hat.“
„Aber ein K.o.-Kriterium wäre es nicht, oder?“, bohrt mein Neffe
nach. „Nein, das nicht. Wenn ansonsten die Qualifikationen
stimmen und auch die Soft Skills passen, dann drücken wir da –
gerade bei jungen Leuten – schon mal ein Auge zu.“ – „Na, dann
bin ich ja beruhigt“, sagt mein Neffe.
„Wieso?“ frage ich alarmiert, denn plötzlich dämmert es mir, was
der Grund für sein plötzliches Interesse am Thema Online
Reputation sein könnte. „Och, na ja, wir haben da auf unserer
Abifete so ein bisschen rumgealbert und da gibt’s Bilder im
Internet, wo ich auch drauf bin … na ja, halt nicht mehr ganz so
nüchtern“, beichtet mein Neffe kleinlaut.
Ich spüre meinen Blutdruck steigen. Denn mein Neffe ist ja der
Sohn meines Bruders und damit hat er den gleichen Nachnamen wie
ich! „Bist du denn des Wahnsinns fette Beute?!“, rufe ich
entsetzt und renne zum Laptop …
Na gut, ganz so schlimm, wie befürchtet, ist es nicht, was ich
da sehe. Zumindest weiß der Junge spätestens jetzt, dass
Einträge im Web wie Tattoos sind – man sollte sie auch nach 20
Jahren noch leiden können. Denn sie sind ähnlich schwer zu
entfernen.
Apropos entfernen: Als guter Onkel kümmere ich mich jetzt gleich
mal darum, dass diese Bilder aus dem Web kommen – schließlich
gibt es ja inzwischen Anbieter für Online Reputation Management.
Dass Sie so etwas nicht benötigen, das hofft grüßend
Der Syngenius

